Wie wird im Krankenhaus mit nosokomialen Infektionen umgegangen ?

Jedes Krankenhaus verfügt über ein Krankenhaushygieneteam. Dieses Team setzt sich aus einem Arzt und einem (einer) oder mehreren Krankenpfleger(inne)n mit spezifischen Sachkenntnissen im Bereich des Infektionsmanagements zusammen. Zusammen mit der Kommission für Krankenhaushygiene, dem Chefarzt und dem Chef der Krankenpflegeabteilung sind sie für die Prävention nosokomialer Infektionen im Krankenhaus zuständig.

Die Praxis zeigt, dass eine gute Präventionspolitik die Zahl der nosokomialen Infektionen erheblich verringern kann. Die Grundlage für eine derartige Politik sind allgemeine Vorkehrungen, worunter Händehygiene, persönliche Schutzmittel (wie Handschuhe) und der Aufenthalt eines Patienten mit Ansteckungsrisiko in einem separaten Zimmer. Daneben gelten auch spezifische Maβnahmen, um Harnwegsinfektionen, postoperative Wundinfektionen, Atemwegsinfektionen und Blutbahninfektionen zu vermeiden.

Auch wird der Überwachung nosokomialer Infektionen groβe Aufmerksamkeit gewidmet, so dass eventuelle Epidemien schnell erkannt und entschlossen behandelt werden können.

Was sind nosokomiale Infektionen ?

Mit einer nosokomiale Infektion infiziert man sich während der Versorgung. Erfolgt dies im Krankenhaus, so spricht man von einer Krankenhausinfektion.

Wenn Mikroben sich für längere Zeit im/auf dem Körper ansiedeln und sich ohne nennenswerte Schäden oder Behinderungen vermehren, so sprechen wir von Kolonisation oder Besiedlung. Erst beim Auftreten von Krankheitssymptomen wird von einer Infektion gesprochen. Die Bezeichnung ‘Ansteckung’ bezieht sich auf die Übertragung von Mikroben. Bei einer ‘Entzündung’ reagiert der Körper in einer bestimmten Weise gegen die anwesenden Mikroben. 

Eine Infektion kann durch Mikroben, die schon auf dem/im eigenen Körper anwesend waren, verursacht werden. Mikroben werden jedoch auch von einem Patienten auf den anderen übertragen, zum Beispiel wenn Pflegekräfte ihre Hände nicht in den richtigen Momenten desinfizieren. Händehygiene ist  dabei die einfachste und wirksamste Weise, um die Übertragung von Mikroben zu vermeiden.

Welche nosokomialen Infektionen gibt es?

Die Bezeichnung ‘nosokomiale Infektion’ umfasst eine ganze Reihe von Infektionen. Die häufigsten nosokomialen Infektionen sind Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen, postoperative Wundinfektionen und Blutbahninfektionen (siehe Abbildung). Die Risikofaktoren einer nosokomialen Infektion variieren je nach Infektionsart. 

Quelle: WHO, figures for Belgium based on ECDC prevalence study of 2011

Welche Mikroben verursachen nosokomiale Infektionen ?

Verschiedene Mikrobenarten können nosokomiale Infektionen verursachen. Meistens handelt es sich um Bakterien, aber auch Pilze/Hefen (z.B. Candida) und Viren (z.B. das Grippevirus) können für diese Infektionen verantwortlich sein. In den Medien wird oft fälschlich über die ‘Krankenhausbakterie’ berichtet. Eigentlich handelt es sich um eine Vielzahl von Mikroben. Nosokomiale Infektionen in Krankenhäusern werden oft verursacht durch Bakterien, die Resistenzen gegenüber einer oder mehreren Antibiotikaarten erworben haben. Die Bakterien sind ’multiresistent’. Sie sorgen unter anderem dafür, dass die Behandlung mit Antibiotika weniger wirksam wird und manchmal länger dauert.

Wie breiten sich Mikroben im Krankenhaus aus ?

Die Abbildung stellt die Übertragung von Mikroben über die Hände schematisch dar.

Die wichtigsten Elemente bei der Übertragung von Mikroben über die Hände (einer Pflegekraft) sind die folgenden:

  • Spenderoberfläche ’A’ enthält Mikroben ‘a’

z.B.: Haut des Patienten, Bett(wäsche) des Patienten, Nachttisch, …

  • Empfängeroberfläche ‘B’ enthält Mikroben ‘b’

z.B.: Haut/Körperteil eines anderen Patienten, medizinisches Hilfsmittel eines anderen Patienten

  • Wird keine Händehygiene betrieben, dann nimmt eine Hand Mikrobe ‘a’ von der Spenderoberfläche ’A’ auf und überträgt sie auf die Empfängeroberfläche ‘B’.
  • Auf der Empfängeroberfläche ‘B’ ist dadurch eine Kreuzkontamination mit Mikrobe ‘a’ aufgetreten, in Ergänzung der originalen Mikroben ‘b’.
  • Der Patient und/oder seine Umgebung ist jetzt mit Mikroben infiziert, und möglicherweise kann dies zu einer nosokomialen Infektion führen.

 

Quelle : My five moments for hand hygiene (H. Sax - Journal of hospital infection 2007)

Die Bedeutung von Mikroben

Jedermann trägt auf seinem Körper Bakterien mit sich, unter anderem auf der Haut, im Mund und  im Darm. Es handelt sich um harmlose Gastkeime (auch ‘kommensale’ Bakterien genannt), die normalerweise keine Infektionen verursachen. Schädliche oder pathogene Bakterien verursachen aber trotzdem Infektionen. Sie verbreiten sich beispielweise über (an Grippe) erkrankte Personen oder durch den Konsum infizierter Lebensmittel (Salmonella). Ein Patient im Krankenhaus ist empfänglicher für die Entwicklung von Infektionen, sowohl mit pathogenen als auch mit kommensalen Bakterien. Durch beide Bakterienarten infizieren sich Patienten leichter, wenn er durch eine Krankheit oder eine Organtransplantation geschwächt ist, nachdem er operiert wurde oder wenn er einen Katheter oder eine Blasensonde hat. 

Was sind die Folgen nosokomialer Infektionen ?

Eine nosokomiale Infektion erfordert eine zusätzliche Diagnose und Behandlung, wodurch sich der Aufenthalt im Krankenhaus verlängern kann. In ernsthaften Fällen kann die Infektion zu längerer Invalidität oder sogar zum Todesfall führen. Oft handelt es sich dann um empfindliche und/oder schwer erkrankte Patienten, für die die zusätzliche nosokomiale Infektion eine sehr groβe Gefahr darstellt. Dies alles führt auch zu höheren Gesundheitskosten, sowohl für den Patienten als auch für die Gesellschaft.

Eine Studie des Federaal Kenniscentrum voor de Gezondheidszorg (KCE) hat gezeigt, dass nosokomiale Infektionen in Belgien jährlich für 720757 zusätzliche Krankenhausaufenthaltstage, 384.3 Millionen EUR zusätzliche Ausgaben für die Gesundheitspflege und 2625 zusätzliche Todesfälle verantwortlich sind.

Wie viel Menschen erwerben nosokomiale Infektionen ?

In modernen Pflegeeinrichtungen ziehen sich 5 bis 10% der Patienten eine nosokomiale Infektion zu. Eine Studie hat gezeigt, dass in Belgien etwa 7.1% der Patienten während ihres Aufenthalts in einem akuten Krankenhaus eine nosokomiale Infektion erwerben. Jährlich handelt es sich um mehr als 100 000 Patienten. Die Situation in Belgien ist mit der anderer europäischer Länder vergleichbar. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) schätzt, dass in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union jährlich etwa 4 Millionen Patienten eine nosokomiale Infektion erwerben. Ungefähr 25000 bis 37000 Patienten sollen sogar an diesen Infektionen gestorben sein. 

Sind nosokomiale Infektionen zu vermeiden ?

Leider ist nur 1 von 3 nosokomialen Infektionen zu vermeiden, auch wenn alle präventiven Maβnahmen strikt angewandt werden. Im Krankenhaus halten sich viele gegen Infektionen sehr empfindliche Patienten auf, wie zum Beispiel geschwächte ältere Personen, Patienten mit stark geschwächtem Abwehrsystem (z.B. Patienten, die eine Organtransplantation hinter sich haben oder Chemotherapie gehabt haben) sowie Patienten, die gravierende Behandlungen gegen lebensbedrohende Erkrankungen benötigen (z.B. Patienten auf der Intensivstation oder auf der Neonatologie). Trotzdem müssen wir versuchen alles uns Mögliche zu tun, um möglichst viele nosokomiale Infektionen vermeiden zu können. Händehygiene ist dazu eine der wirksamsten Methoden. 

Wie wird im Krankenhaus mit nosokomialen Infektionen umgegangen ?

Jedes Krankenhaus verfügt über ein Krankenhaushygieneteam. Dieses Team setzt sich aus einem Arzt und einem (einer) oder mehreren Krankenpfleger(inne)n mit spezifischen Sachkenntnissen im Bereich des Infektionsmanagements zusammen. Zusammen mit der Kommission für Krankenhaushygiene, dem Chefarzt und dem Chef der Krankenpflegeabteilung sind sie für die Prävention nosokomialer Infektionen im Krankenhaus zuständig.

Die Praxis zeigt, dass eine gute Präventionspolitik die Zahl der nosokomialen Infektionen erheblich verringern kann. Die Grundlage für eine derartige Politik sind allgemeine Vorkehrungen, worunter Händehygiene, persönliche Schutzmittel (wie Handschuhe) und der Aufenthalt eines Patienten mit Ansteckungsrisiko in einem separaten Zimmer. Daneben gelten auch spezifische Maβnahmen, um Harnwegsinfektionen, postoperative Wundinfektionen, Atemwegsinfektionen und Blutbahninfektionen zu vermeiden.

Auch wird der Überwachung nosokomialer Infektionen groβe Aufmerksamkeit gewidmet, so dass eventuelle Epidemien schnell erkannt und entschlossen behandelt werden können.